Velvet-leaves: Words and Thoughts


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Jacob & Kapitel 3

Du glaubst gar nicht wie unendnlich glücklich es mich macht, endlich Jemanden zu haben, der sie auch wirklich liest und mir Feedback gibt und sich dafür interessiert....Es bedeutet mir unglaublich viel...Mehr als ich mit Worten ausdrücken kann. Danke <3

Weißt das etwa du schreibst auch an einer Geschichte?

Und es freut mich sehr das es dir bisher gefällt (: Ich werde jetzt immer zwei Kapitel posten, insgesamt sind es so 22, bin eigentlich fertig, bis auf ein paar Überarbeitungen und so^^

 

 

Jacob


Nachdem sie sich hektisch umgesehen hatte, fluchte sie. Als sie schließlich fand wonach sie gesucht hatte, schlüpfte sie in ihre vom Feuer erwärmte Jacke und war gerade dabei aus der Tür zu stürmen, als ich mich direkt davor stellte. “Hey, was soll das?” Ihr Mund war zu einem verärgerten Strich zusammengepresst, doch ich konnte sehen, dass sie den Tränen nah war. Um sie etwas zu beruhigen, senkte ich meine Stimme und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Sie versuchte nicht, sie abzuschütteln. Immerhin. “ Jetzt beruhig dich erstmal okay? Ich weiß dass sich deine Eltern bestimmt Sorgen machen,aber erstens schüttet es draußen wie aus Eimern und zweitens weißt du ja noch nicht mal wo du lang musst.” Als sie plötzlich bleich im Gesicht wurde, weil ihr anscheinend bewusst wurde, dass sie sich mitten im Nirgendwo mit einem Fremden befand, sprach ich schnell weiter. “ Ich werde dich Heimfahren, okay? Allerdings muss ich hier noch etwas erledigen.” Hoffentlich hatte bis dahin auch der Regen nachgelassen. Erleichterung machte sich in ihrem Gesicht breit und sie lächelte leicht. “Danke.” War alles was sie sagte. Kaum ausgesprochen, machte sie auf dem Absatz kehrt und ließ sich wieder aufs Bett sinken. Soweit so gut. Im Kopf ging ich nochmal alles durch was ich zu erledigen hatte und fing mit dem leichtesten an. Ich zog mein Handy aus der Tasche und schrieb James eine Nachricht. Ein kurzes Piepen darauf, antwortete er mit: “Kein Problem, wird gemacht.“ Dankbar atmete ich durch, löschte dann das Kaminfeuer, überprüfte ob alle Fenster geschlossen waren, die Elektrizität war ausgeschaltet und genug Vorräte waren auch vorhanden. Während ich mir meine Regenjacke überstreifte, schnappte ich mir mein Handy und erklärte Annabelle den Weg zum Auto, während ich die Tür extra zweimal abschloss. Man konnte nie wissen. Auch wenn der Regen bereits etwas nachgelassen hatte, mussten wir dennoch schnell laufen. Zum Glück trieb uns der kalte Wind  sowieso schneller voran. In der Ferne grollte der Donner und ich konnte sehen wie Annabelle neben mir leicht zusammen zuckte. Kurz vor der Waldgrenze blieb sie stehn und schaute mich verunsichert an. “Müssen wir...da durch?” Sie klang ängstlich, auch wenn ich absolut nicht verstand warum. Hatte sie etwa Angst vor Wäldern? “Ja, leider gibts hier keinen anderen Weg zur Hauptstraße.” Aufgrund des gerade grollenden Donners musste ich meine Stimme etwas heben. Unsicher ob sie mich verstanden hatte, wartete ich ab. Nach einer Weile nickte sie schließlich und lief voraus in den tiefen, dunklen Wald. Eine Zeit lang konnte man nur das Tröpfeln auf den Blättern hören. Die Strecke verlief größtenteils gerade und nachdem wir die erste Abzweigung genommen hatten, geschah etwas seltsames. Vielleicht war es auch nur Einbildung, da ich aufgrund der letzten zwei Tage kaum Schlaf bekommen hatte und wenn doch, war er geplagt von Albträumen. Ich sah wie sie uns jagten und einen nach dem anderen töteten, immer und immer wieder. Bei der Erinnerung schauderte mir und ich schloss kurz die Augen, um die Bilder loszuwerden. Doch als ich sie wieder öffnete,konnte ich es dennoch deutlich sehen. Durch ihre Haare, die aufgrund des Winds ganz verstrubbelt waren, wuchsen kleine dünne Blätterranken. Bei jedem Schritt wurden sie länger, sodass sie ihr bald bis über die Schulter reichten. Immer noch erschrocken starrte ich darauf. Jetzt schlingelten sich auch noch Wurzeln an ihren Ohren entlang und bildeten seltsam schöne Muster. Doch Annabelle schien von alledem nichts zu bemerken. Kurz nachdem wir aus dem Wald auf die Hauptstraße kamen,zogen sich sowohl die Wurzeln als auch Blätterranken zurück. Sie verschwanden so schnell wie sie aufgetaucht waren. Verwirrt rieb ich mir die Augen und steuerte auf meinen alten Pick up zu. Mein Vater hatte mir vor ein paar Wochen beim Schleifen und Lackieren geholfen. Die 15 Jahre machten sich mittlerweile doch bemerkbar. Es war sein erstes Auto und immer wenn er sie sah lächelte er sehnsüchtig vor sich hin. Er liebte sie und hatte sie mir  vermacht nachdem er mir das Fahren beigebracht hatte,mit der Bitte gut auf sie aufzupassen. Bisher ist es mir recht gut gelungen, doch man merkte ihr an, dass sie bereits ein altes Mädchen war. Bevor wir einstiegen klopfte ich ihr kurz auf das Dach- eine alte Art von mir sie zu begrüßen- und stieg ins Auto. “Alles okay?” Besorgt warf ich einen Blick auf dieses kleine Wesen mit den Honigblonden Haaren, die ihr momentan in nassen Strähnen über den Schultern hingen. Trotz des recht mitgenommenen Zustandes, war sie wunderschön. Schon seit ich sie zum ersten Mal richtig von nahem gesehen hatte, spürte ich diese angenehme Wärme in meiner Brust und fühlte mich ungemein zu ihr hingezogen. Natürlich fühlte ich mich zu so ziemlich allen weiblichen Wesen hingezogen, besonders wenn sie hübsch waren, doch bei ihr war es irgendwie anders. Sie hatte etwas an sich das mich direkt faszinierte und tief berührte. Diese dunkelgrünen Augen, vermischt mit leichten hellgrünen Sprenkeln. Den süßen Sommersprossen und der….

” Nu-...nur ein wenig kalt“, antwortete sie mit klappernden Zähnen. Komplett aus meinen Gedanken gerissen reichte ich ihr einen meiner alten Wollpullover und eine warme Decke und befahl mir mich von nun an, zu konzentrieren. Daher lenkte ich mich ab, stellte die Heizung ein, schaltet das Radio an und fuhr los. Die meiste Zeit redeten wir nicht viel. Aus dem Augenwinkel nahm ich allerdings wahr, wie sie die Zeilen von “Love tonight” von Phil Collins leise mitsang. Ich meinte sogar ein kleines Lächeln auf ihren Lippen zu sehen. 


An der Adresse angekommen, die sie mir zuvor genannt hatte, musste ich Annabelle leicht wachrütteln. Den Rest der Fahrt hatte sie komplett verschlafen und ich muss zugeben, dass es ein wirklich niedlicher Anblick war. Ohne auf mein Rütteln zu reagieren, murmelte sie nur etwas vor sich hin und schlief weiter. Irgendwann gab ich es auf sie wachzukriegen und nahm sie kurzerhand in meine Arme. Beim Haus angekommen, öffnete ich leise die Tür und lief die Treppe hoch. Zu gut dass die Kriminalitätsrate bei uns sehr niedrig war. Oben angekommen legte ich sie sanft in ihrem Bett ab und wollte gerade gehen, als sie meinen Arm packte und ein leises “Danke”,murmelte. Im Mondlicht, das auf ihr Kissen fiel wirkte sie beinahe engelsgleich. Wieder spürte ich diese Nähe und Vertrautheit. Lächelnd strich ich ihr über die Haare und lief zurück zu meinem Auto. Ohne gleich loszufahren wartet ich ab, ob irgendein Elternteil rauskommen würde, um mir die Leviten zu lesen, doch alles blieb still. Glück gehabt. Zur Musik von Phil Collins pfeifend fuhr ich nachhause und lächelte in mich hinein.  




Kapitel 3

Zähneknirschend schloss ich meine Augen. Um mich zu beruhigen,zählte ich langsam von eins bis hundert. “Schwieriger Kunde?” James lehnte am Tresen vor mir und lächelte mich mitfühlend an. “Kannst du wohl sagen”, erwiderte ich und seufzte leicht. “Mrs. Dally ist echt ´ne harte Nuss und ´ne kleine Schreckschraube, wenn du mich fragst” Er ließ seinen Finger neben seinem Kopf in der Luft kreisen, um zu verdeutlichen wie verrückt sie wirklich war. “Aber das wird schon noch, glaub mir.” Aufmunternd lächelte er mich an und zwinkerte mir zu. Daraufhin bedankte ich mich und entschuldigte mich kurz. In dem kleinen Lager bzw. Besprechungsraum ließ ich mich auf eine alte, staubige Couch sinken und atmete tief durch. Ich war schon immer ziemlich anfällig, wenn es um schwierige Situationen oder Menschen ging. Und immer dann, wenn ich ihn gebraucht hatte, war Theo bei mir, um mir damit zu helfen. Mit ihm war es einfacher. Selbst danach konnten wir einfach weiter herumalbern wie zuvor. Doch jetzt war Theo tot und ich allein.  Schon damals konnte ich mir ein Leben ohne ihn nicht vorstellen und jetzt zeigte sich wieder wie schwierig es wirklich war. Mein Hals verengte sich, Tränen stiegen mir in die Augen. Ich kann das nicht ohne dich...Theo ich- “Annie!” Unterbrach James auf einmal meinen Gedankengang. “Kannst du mal in den Laden gehen? Ich glaube wir haben Kundschaft.” Rief er vom oberen Stockwerk herab. Hastig rappelte ich mich auf, trocknete mir die leicht feuchten Tränen und lief Richtung Tresen. Dort angekommen sah ich erst niemanden, weshalb ich mich umsah und wartete. Als nach wenigen Minuten immer noch niemand auftauchte, widmete ich mich den Ausleihbestellungen unter dem Tresen. Gerade überflog ich die Ausleihliste eines gewissen Mr. Merrn, als ich ein leises Räuspern vernahm. Mit geröteten Wangen blickte ich entschuldigend auf und… erstarrte. Bilder der Nacht formten sich in meinem Kopf und verschwanden in Sekundenbruchteilen wieder im düsteren Nebel. “Jacob?” 


Nachdem ich wie gerädert in meinem Bett aufgewacht war und mich langsam an die vorherige Nacht erinnerte, wurde mir leicht schwindelig. Dieses Gefühl, das man hat, wenn man etwas tut von dem man total überzeugt ist und glaubt das richtige zu tun, nur um am nächsten Tag festzustellen wie dumm es doch eigentlich war, durchfuhr mich wie ein Blitz. Verdammt! Was hatte ich mir nur dabei gedacht, einfach so von der Klippe zu springen?? Wie konnte… warum… wieso…in meinem Kopf herrschte ein so großes Aufgebot an Fragen, dass er anfing zu pochen und der Schwindel zunahm. Um mich etwas zu beruhigen,  öffnete ich mein Fenster und zog die kalte Morgenluft tief in mich ein. Nach ein paar Atemzügen ließ der Schwindel nach. Nur die Fragen blieben. Den ganzen Tag über zerbrach ich mir den Kopf, darüber was genau mich dazu getrieben hatte und wie ich den Fall von den Klippen, nahezu ohne Verletzungen überlebt hatte. Meinen Eltern hatte ich nur gesagt, dass all die kleinen Kratzer vom Dornenbusch im Garten kamen. Widerwillig, wenn auch leicht skeptisch, nahmen sie mir die Ausrede ab. Leider kam ich zu keinem schlüssigen Ergebnis, wodurch ich keine Entschuldigung mehr hatte, nicht darüber nachzudenken. Oder besser gesagt,  wen. Jacob. Eigentlich schien er mir ein recht durchschnittlicher Typ. Etwas kräftiger vielleicht, als die meisten seines Alters aber sonst schien er mir ganz normal...Bis auf seine Augen. Sie schienen mich magisch anzuziehen und wenn mein Blick in ihnen versank, zogen sie mich in einen Strudel aus Geborgenheit, Sicherheit und Verständnis. Anfangs hatte ich- zugegebenermaßen, Angst vor ihm. Nicht nur weil er ein Fremder war, sondern vielmehr, weil ihn eine gewisse Düsternis zu umgeben schien. Trotz seiner netten Art und seines Lächelns, schien ihn diese dunklen Wolken zu umgeben, die nie wirklich verschwanden. Gegen Abend ließ ich meinen rauchenden Kopf gegen die Sessellehne fallen, schlug mein Notizbuch auf und fing an zu zeichnen. Immer dann, wenn ich gedanklich in einer Sackgasse festsaß,half mir der Grafitstift, der leise auf dem Papier kratzte und Formen und Szenen auf leeren Seiten entstehen ließ. Es half mir, meine Gefühle und Gedanken zu ordnen und ihnen einen Raum und Platz zu geben. Mit der Zeit wurde ich immer müder, hörte jedoch nicht auf, bis ich die Zeichnung beendete hatte. Und kurz bevor ich einschlief warf ich einen letzten Blick auf die vollendete Zeichnung. Ein Baum, der inmitten einer Lichtung stand, strahlte so viel Licht aus, das die Bleistiftlinien, die dieses darstellen fast das ganze Papier ausfüllen. Aus der Mitte des Baumes sahen mich Augen an, die mir nur allzu bekannt waren, wodurch mich sogleich ein eisiger Schauer und ein warmes Kribbeln durchfuhren.


Ohne mir zu antworten, nickte er mir nur zu und legte einen Zettel auf den Tresen. Leicht perplex durch sein verschlossenes Verhalten, nahm ich mir diesen und laß ihn durch. Es waren verschiedenste Bücher gelistet und auch ein Name: Theresa Wood. Fragend hob ich eine Augenbraue, als auch schon James in den Raum stürmte und so viel auf einmal redete, das ich ihn kaum verstand. Erst als er einen Stapel Bücher auf der Theke platzierte, verstand ich dass es sich wohl um eine Ausleihebestellung handelte. Und mein lieber Freund Jacob war der Laufbursche. Geschieht ihm nur recht, dachte ich verbittert. Was sollte das? Letztens war er noch unglaublich nett und jetzt nur noch so...kalt. Ja, kalt war das richtige Wort. Er schien wie eingefroren, nur mit dem Unterschied, dass er sich bewegen konnte. “Hier, bitte”, meinte jetzt James und schob Jacob den Stapel zu. Dieser nickte nur, schnappte sich den Stapel und lief Richtung Tür. “Ach ja und richte Tante Claire liebe Grüße aus”, rief ihm James noch hinterher, bevor Jacob nach draußen verschwand. “Was war das denn ?”, wollte ich verwundert wissen. “Ach, mach dir keine Gedanken. Jacob kann sich manchmal echt daneben benehmen.” Hatte ich auch schon bemerkt. Hmm. Ob sein seltsames Verhalten wohl mit mir zu tun hatte? Entschlossen schüttelte ich den Kopf. Schließlich hatte er sich auch normal verhalten als er mich gerettet hatte. “Na ja,  immerhin hast du jetzt schon meinen Cousin getroffen”, meinte James leichthin und schüttelte ratlos seinen Kopf, woraufhin seine dunklen Locken hin und her wippten. Irgendwie erinnerte er mich dabei immer an einen Pudel,  wie - Moment. Cousin? Mit etwas Verspätung schaute ich ihn entgeistert an. “Ja kaum zu glauben, was? Also mein gutes Aussehen war bei ihm definitiv nicht drin.” Scherzhaft zwinkerte er mir zu und grinste breit. Ich erwiderte das Lächeln und dankte ihm innerlich. Seit den zwei Wochen, die er hier nun schon arbeitet, hatte ich ihn mehr und mehr, lieben gelernt. Er war einfach ein urkomischer Vogel, den man immer gerne um sich hatte. Lacy konnte sich wirklich glücklich schätzen. 

Nach drei weiteren Stunden Arbeit, die aus Bücher einsortieren, Bestellungen entgegennehmen und aufräumen bestanden, fiel ich erschöpft in den kleinen Sessel, in einer der hintersten Leseecken. Mr. Layton erlaubte es mir immer, länger zu bleiben, sofern ich danach auch abschschloss, was ich natürlich immer gewissenhaft tat. Irgendwie war es einfach viel schöner umgeben von so vielen Büchern zu lesen. Zwar hatten wir daheim auch eine kleine Bibliothek, inklusive der Büchersammlung meines Vaters, allerdings konnte die bei weitem nicht mithalten. Genussvoll zog ich den Duft des alten Buches ein und begann zu lesen. Nach wenigen Seiten, vernahm ich Stimmen vom vorderen Bereich und horchte neugierig auf. Eigentlich hatten wir ja schon geschlossen…”Dann kommst du also nicht?”,wollte eine Mädchenstimme schmollend wissen. “Ja, tut mir leid. Kam was dazwischen.” war das nicht…. “Na gut, dann sorge aber dafür dass du nichts anstellst.” James Stimme, klang strenger als sonst. Mittlerweile hatte ich mich langsam vorgeschlichen, um die Unterhaltung besser zu verstehen, als ich plötzlich an einem kleinem Tischchen hängen blieb, wodurch eine kleine Öllampe zu Boden fiel. Zum Glück war sie aus. Leicht verschreckt blieb ich stehen,bis ich ein Gesicht erblickte, das am anderen Ende des Regals, den Kopf hervor schob. Es war ein Mädchen, vermutlich etwas älter als ich, mit rabenschwarzen Haaren, dunkel umrandeten Augen, zwei Piercings in der linken Augenbraue und grauen Augen. Überraschung zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab, als sie mich bemerkte und schließlich ganz in den Durchgang trat. “Oh, hey?” Meinte sie mit einem Lächeln, das so strahlend und warm war, dass sie damit vermutlich den ganzen Raum mit Licht hätte ausfüllen können. Langsam auf mich zugehend redete sie weiter. “Ich hoffe ich hab dich nicht erschreckt.” Vermutlich deutete  sie damit auf meine immer noch still stehenden Körperhaltung hin. “Ich bin Lacy”, fuhr sie nun fort und streckte mir ihre Hand hin. “Bist du Annabelle?” Ich brachte nur ein Nicken zustanden und schüttelte ihre Hand. Sofern möglich wurde ich Lächeln noch strahlender. Ihre Augen leuchteten warm und ich fühlte mich automatisch geborgen. “Au!” Schmerzend rieb ich mir den Arm. Ungläubig starrte ich auf den kleinen Biss, der direkt zu bluten begann. Was zum…? Entschuldigend lächelte sie mich an. “ Neulinge hat er immer sehr gern und naja du weißt ja wie Tiere so sind.” Meinte sie schulterzuckend und begutachtet die Wunde, die zum Glück aufgehört hatte zu Bluten. “Er?” brachte ich nur heraus. Ich war immer noch zu verwirrt von dem Ganzen. “Ja!” meinte sie strahlend und deutet auf ihre Schulter. Dort kauerte ein kleines flauschiges Etwas, das ängstlich hervorlugte. Sanft streichelte das Mädchen das flauschige Etwas am Kopf und schimpfte leise mit ihm. Er solle Fremde doch nicht immer beißen, auch wenn er es lieb meine. Der kleine Biss, den man kaum noch erkennen konnte, fing leicht an zu brennen. Ich versuchte es mit etwas Spucke auf dem Daumen zu stillen, doch es brachte nichts. Abgelenkt davon bemerkte ich erst etwas zu spät, die kleinen Pfoten die meinen Arm hochkrabbelten und dann in meinem Nacken innehielten. Ich konnte die scharfen Krallen spüren, die rauen Pfoten, das flauschige Fell. Die Augen des Mädchens weiteten sich und sie stieß ein lachendes “Oops” aus. „Da mag dich wohl jemand”, meinte sie augenzwinkernd, als das kleine Tierchen sich der Länge nach auf meinen Schultern ausstreckte und den Kopf an meinen Nacken kuschelte. Ich meinte es sogar schnurren zu hören oder so ähnlich. “Darf ich vorstellen,” fuhr das Mädchen nun fort “Rose das Frettchen.” Frettchen. Verstehe. Ich hatte noch nie eins aus der Nähe gesehen, aber es war zugegebenermaßen echt süß wie es sich brummend an meinen Nacken schmiegte. “Als ich so ungefähr elf war, hatte ich ihn im Rosenbusch unseres Gartens gefunden. Damals war er noch ganz klein und lag dort, eingerollt und zitternd. Ich konnte das arme Ding ja schlecht dort liegen lassen”, plauderte Lacy munter weiter. “Und nachdem ich ihn wieder aufgepäppelt hatte, konnte ich mich einfach nur schwer von ihm trennen.” Ihr gespielt dramatischer Ton und die dazugehörigen Gesten brachten mich zum Lächeln. “Darum mag er mich auch so und ist immer bei mir. Und den Namen Rose fande ich ziemlich passend” , fuhr sie jetzt wieder in normalem Ton fort. Als das Frettchen seinen Namen hörte, schlug es die Augen auf, wuselte über meinen Arm wieder zurück zu dem Mädchen und verkroch sich dann in deren Kaputzentasche. “Und wir müssen mit dem Gestank leben.” Meinte jetzt einer der Jungen aus der Gruppe, augenrollend. Wütend funkelte Lacy ihn an. “Immerhin bin ich nicht diejenige, die jeden zweiten Tag ein neues verletztes Tier anschleppt, obwohl wir keinen Platz dafür haben”, entgegnete sie neckisch. Der Junge brummte nur etwas unverständliches und gab auf. Lacy drehte sich wieder zu mir um. “Hast du heute noch irgendetwas vor?“ Ihre Augenbraue hob sich leicht und ihre Piercings klackerten dabei leise.Lesen,Essen machen, schlafen? Allerdings glaubte ich kaum, dass es das war wonach sie gefragt hatte, weshalb ich nur den Kopf schüttelte. “Prima!” Sie lächelte mich wieder strahlend an und zog mich Richtung Tür. “Vertrau mir, das wird echt mega und du wirst ’n riesen Spaß haben!” Vor der Tür ließ sie meinen Arm los und lief die Straße entlang zu einem grauen SUV. Die anderen der Gruppe folgten ihr. Erst als Jacob in mein Sichtfeld fiel, lief ich ihm hinterher und holte ihn ein. “Was genau meint sie? Wo soll ich mit und was wird mega?” Doch Jacob warf mir nur einen genervten Blick zu und beschleunigte, um die anderen aufzuholen. Ratlos und verletzt blieb ich stehen. James schien es aufgefallen zu sein, denn er drehte um und steuerte auf mich zu.”Heute ist doch das große Event auf Orca und es gibt ein Feuerwerk ,das wir uns ansehen wollen,” startete er direkt mit der Erklärung. “Außerdem machen wir ein Lagerfeuer mit Marshmallows und allem drum und dran. Unten in der Brimsbey Bucht,” endete er. Okay. Schön. Und was hatte ich damit zu tun? Ich stellte ihm genau diese Frage, woraufhin er nur lachte, mir auf die Schulter klopfte und irgendwas von “ich seie unschlagbar” meinte. Verwirrt , kaute ich auf meiner Unterlippe. Als er dies sah, klärte er mich auf.“ Wir wollen dich dabei haben! Du bist neu hier und tust was?Den ganzen Tag Bücher lesen? Komm schon, du musst doch auch mal ´n bisschen Spaß haben!” Lesen macht mir ja Spaß, dachte ich grimmig. “Das Leben wartet dich auf dich, komm schon!” Jetzt klang er schon wie meine Mutter. Um endliche meine Ruhe zu haben und meiner Mutter etwas vorweisen zu können, murmelte ich ein kapitulierendes, “Na gut”,und trottete der Gruppe hinterher. James, Lacy inklusive Frettchen, ein weiter Junge den ich nicht kannte, sowie ein jüngeres Mädchen stiegen in den SUV. Sodass ich mit Jacob und einem älteren Mädchen- mit braunen Locken und lila Augen fahren durfte. Jacob nahm auf dem Fahrersitz Platz, sodass mir nur die Rückbank blieb. Leider entschied sich das violet äugige Mädchen auch dafür, was dazu führte dass wir erst nach kurzem peinlichem Schweigen losfuhren.        “Ich dachte du wolltest nicht mit“, wandte das Mädchen nach einer Weile ein. Jacob zuckte jedoch nur mit den Schultern und murmelte irgendetwas von Entscheidungsfreiheit. Die nächsten zwanzig Minuten verliefen größtenteils schweigend. Somit blieben mir nur die dunkel umrissene Kulisse vor dem Fenster und meine eigenen Gedanken. Das Mädchen , das, wie ich später herausfand , Cassiopeia hieß, summte die meiste Zeit nur vor sich hin und zeichnete eigenartige Muster in die Luft. Da Jacob kein einziges Mal ein Gespräch suchte, tat ich einfach so als sei er nicht da, was ihn anscheinend auch nicht weiter zu stören schien.


Kurz nachdem wir die kleine Lichtung erreichten, nahm die Panik aufgrund der zunehmenden Bäume rapide zu, wodurch es mir schwer fiel zu atmen. Okay, ganz ruhig, Ann du kriegst das schon hin. Letztes Mal ging doch auch alles gut. Und wahrscheinlich bist du sowieso verrückt, und bildest dir alles ein, flüsterte eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf. Ich holte tief Luft und schloss für einen Moment die Augen. Ich konnte das. Ich konnte das. Mit diesem Satz im Kopf, den ich vor mich hinmurmelte, stieg ich aus und folgte den Anderen, die schweigenden in den Wald vordrangen.Nach  wenigen Minuten erreichten wir auch schon eine kleine Bucht. Das Gras ging in weichen Sand über und die Wellen schwappten leicht ans Ufer. In der Ferne konnte man die Orcas sehen. Eine kleine Inselgruppe deren Silhouette dem eines Orcas glich. Darum der Name. Seit ich hier angekommen bin, gefiel mir diese Tatsache sehr. Denn wenn ich eins liebte, dann waren es Wale. Immer noch auf die Inselgruppe starrend, die langsam von der Dunkelheit verschluckt wurde, bekam ich nur nebenbei mit wie die anderen hin und her liefen und einiges an Lärm machten. Immerhin störten wir hier keinen.

Mit der Dunkelheit nahmen auch die kleinen gelblichen Lichtpunkte zu, die sich überall auf den Inseln verteilten. Was würden wir nur alles ohne Elektrizität tun? Heutzutage waren wir praktisch abhängig davon. Nichts würde mehr ohne sie funktionieren.Wir wären vollkommen aufgeschmissen und müssten erstmal wieder lernen zu leben. Müssten mit echtem Feuer kochen, von Hand waschen und unsere Essen selbst anbauen anstatt es im nächsten billig Supermarkt zu kaufen. Wir leben in so viel Komfort und sind dennoch die Generation die am unzufriedensten ist. Ist das nicht irgendwie Ironie an sich? Wir ließen die harte Arbeit andere machen und versanken in der Stille unseres Daseins in Problemen, die gar nicht existierten. Und andere wiederum versanken knietief in Arbeit, verloren sich selbst im Stress unserer Gesellschaft und wunderten sich, warum es ihnen schlecht ging.Wir waren so mit der Welt um uns herum beschäftigt dass wir komplett vergaßen, wie wichtig wir selbst waren.Nachdenklich runzelte ich die Stirn und wollte meinen Gedankengang gerade weiterführen,als sich jemand plötzlich von hinten an mich heran schlich und so erschreckte, dass ich fast aus der Haut fuhr. Durch den nicht gerade grazilen Sprung zur Seite, den ich dabei vollführte, landete ich fast im Wasser, doch ich konnte mich gerade noch rechtzeitig fangen. Nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte,schaute ich mich um. Mit zusammengekniffenen Augen schaute ich den Übeltäter an, der sich gerade vor Lachen nur so schüttelte. “Du warst wie eine dieser Katzen, die so einen Ninja-mäßigen Jump hinlegen” , meinte Jacob, der sich immer noch vor Lachen krümmte. “Es kann eben nicht jeder so ein furchtloser Idiot sein wie du”, Entgegnete ich schnippisch. “Hey!”,meinte er empört und wollte gerade zur Gegenwehr ansetzten, als Lacy zwischen uns ging. “Nun mal langsam ihr zwei Streithähne. Jacob du gehst den anderen beim Lagerfeuer helfen. Klar?” Ihr eindringlicher Blick verunsicherte sogar mich, sodass er klein bei gab und brummend zu den anderen trottete. Nachdem sie sichergestellt hatte das er den anderen auch half, wandte sie sich zu mir. Entschuldigend lächelte sie mich an. “Alles okay?” Außer einem Nicken brachte ich nicht viel zustanden. Was sollte das? Fand er es so witzig andere zu erschrecken? Und wenn ja, hätte er sich doch wenigsten entschuldigen können oder nicht? “Er hätte echt nicht mitkommen sollen. Manchmal kann er ein ziemlicher Idiot sein. Bei seinen Stimmungsschwankungen könnte man fast meinen, er wäre einer von uns.” Augenzwinkernd lächelte sie mich an, wodurch ich mich gleich etwas besser fühlte. Ich schmunzelte leicht und erwiderte dann mit verschwörerischen Unterton: “Vielleicht versteckt er ja heimlich ein paar Kleider in seinem Schrank”. Lacy machte große Augen und schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn. “ Wusst ich's doch! Ich dachte mir schon, dass einiger meiner Kleider wohl kaum von Rose gefressen wurden.” Grinsend mussten wir uns auf die Lippen beißen, um nicht lauthals loszulachen. Als sie dann: “Hey Jacob, nächstes Mal frag mich bitte. Ich glaube pastellgelb würde dir nämlich viiiel besse stehn”, zu den anderen hinüber rief, konnte wir uns nicht mehr halten und prustete laut los. Als Jacob uns dann noch einen verwirrten Blick zu warf, lachten wir bis uns die Bäuche weh taten. Nachdem wir uns wieder einigermaßen beruhigt hatten, schlenderten wir zu dem warm prasselnden Lagerfeuer hinüber. Die anderen hatte es sich bereits auf Decken und einem kleinen Baumstamm gemütlich gemacht und schienen bester Laune. Bis auf Jacob der immer noch zerknirscht drein schaute. Anscheinend mochte es Mr. Obercool so gar nicht wenn man über ihn Witze riss. Gerade als ich neben Lacy Platz genommen hatte, konnte ich ein leises Piepen hinter mir hören und drehte mich überrascht um. Der silberne Jeep näherte sich im Rückwärtsgang der Bucht und hielt wenige Meter von uns entfernt. Dann sprang James aus dem Wagen und begann die Ladefläche auszuladen. Anscheinend waren sie ziemlich gut vorbereitet. Denn dort befanden sich mehrer Körbe voll mit Marshmallows, Bier und Colaflaschen,eine Gitarre und weitere Decken und Kissen. Außerdem förderten sie einen Korb mit weiterem Essen, zutage. Lacy und Jacob verteilten das Bier - das ich dankend ablehnte- und die Colaflaschen, trugen den Korb  zum Feuer und nahmen wieder Platz. Jeder schnappte sich bereit gelegte Zweige und Marshmallows und begann sie über dem Feuer zu rösten. Ich schaute den anderen zu und versuchte dann selbst mein Glück. Der erste Versuch, landete direkt im Feuer sodass das Marshmallow direkt in Flammen aufging. Beim zweiten Mal gelang mir das schon besser. Gerade war ich in ein Gespräch mit James vertieft, als Lucy plötzlich dazwischen rief : “Ann, pass auf, dein Marshmallow verbrennt sonst!” Gerade noch rechtzeitig konnte ich den Stock aus dem Feuer ziehen, bevor das Marshmallow es in Flammen aufging. Doch der schwarz verkohlte Rest, fiel nun traurig ins Gras. Etwas betrübt und verdutzt starrte ich es an. Dann brachen auf einmal alle in Lachen aus. Es war so ansteckend, dass ich einfach nicht widerstehen konnte und mitlachte. Vorest gab ich damit also das Rösten auf und fütterte die Marshmallows direkt aus dem Korb oder bekam dankbarerweise warm geröstete von den anderen. Wir lachten, erzählten Geschichten und redeten über alles mögliche. Erst jetzt fiel mir auf wie sehr mir das gefehlt hat. Zeit mit Freunden zu verbringen. Entspannt zu lachen und Spaß zu haben. Es fühlte sich unglaublich gut an. Gerade wärmte ich meine Hände am Feuer und betrachtet die glitzernde Wasseroberfläche, als sich das braunhaarige Mädchen neben mich setzte. Ohne Einleitung legte sie direkt los. “Weißt du, wie bei allem gibts ne perfekte Lösung dafür. Manchmal braucht man nur etwas länger, damit man die richtigen Umstände und Handlungen zusammenbringen kann. “ Sie schnappte sich eine Stock, steckte ein Marshmallow drauf und hielt es ins Feuer. Sie begann es hin und her zu drehen und machte dabei immer wieder kleine Pausen. “Siehst du.” Fuhr sie in ihrer rauchigen Stimme fort. “Wenn die Umstände im Einklang mit der Bewegung sind, dann ist es ganz leicht. Halte es über die orangen Flamme, nicht die blaue, die ist zu heiß. Drehe es immer mal wieder langsam, damit sich die Bräune verbreitet, aber lasse es niemals zu lange an einer Stelle, sonst verbrennt es.” Fasziniert beobachtet ich das sich drehende Marshmellow, das sich nun leicht bräunlich verfärbte. “Mit Geduld und Wissen kann man alles erreichen und zähmen. Man muss nur wissen wie.” Zähmen? Bevor ich sie genau darüber ausfragen konnte, zog sie den Stock schon aus dem Feuer und hielt mir das gold-bräunlich schimmernde Marshmallow vor die Nase. “Hier iss.” Vorsichtig nahm ich die leicht tropfende Köstlichkeit zwischen meine Finger und verschlang es mit einem Biss. Die zuckrig, cremige Masse schmeckte einfach nur unglaublich. Genussvoll gab ich ein Seufzen von mir, woraufhin Cassiopeia auflachte und mir ein weiteres gab, das ich direkt übers Feuer hielt. Vermutlich würde mir später von so viel Süßem schlecht werden, aber gerade jetzt war mir das egal. Sie schmeckten so gut, dass ich mittlerweile schon bei meinem fünften war und als mir Lacy dann erklärte, um wieviel besser sie mit Keksen und Schokolade schmeckten, war ich völlig hin und weg. Mein kleines Sandwich, sah nicht nur süß aus, sondern schmeckte auch noch himmlisch. Aus dem Augenwinkel konnte ich sehn, wie mich die anderen lächelnd beobachteten, doch das war mir gleich. Nachdem ich nach etlichen endlich nicht mehr konnte, legte ich mich zufrieden auf den Rücken und betrachtet die Sterne. Meinen Kopf stütze ich auf meine verschränkten Arme und genoss die noch immer recht warme Nachtluft. Irgendwann begann irgendwer Gitarre zu spielen. Mit geschlossenen Augen lauschte ich und driftet davon, ließ mich von der Musik mitziehen. Als ich etwas leicht nasses und klebriges an meinem Fuß spürte schaute ich auf. “Uupps, sorry”, meinte Lacy und schaute mich entschuldigend an. “Kein Problem”,meinte ich nur und richtet mich auf. Cassiopea war anscheinend verschwunden, denn der Platz neben mir war leer und sonst war sie auch nirgends. Die langsam kühler werdende Nacht, ließ mich frösteln. In dem Versuch mich etwas zu wärmen, zog ich mir meine Sweatshirt Jacke enger um den Körper und lief Richtung Jeep. Dort suchte ich auf der Ladefläche nach einer weiteren Decke. Gerade als ich sie entdeckt hatte, ließ mich eine Stimme hinter mir auffahren.”Hast du kurz Zeit?” Langsam drehte ich mich zu Jacob um und hielt die Decke wie eine schützende Barriere vor mich. Ich war versucht einfach weg zu gehen und ihn komplett zu ignorieren. Doch meine Mutter hatte mir immer beigebracht im Herzen gut zu sein und gutes zu tun, wenn man schon die Wahl hatte. Daher holte ich tief Luft und nickte dann. “Danke.” Er lächelte mich mit diesem Grübchenlächeln an und schwang sich dann auf die Ladefläche neben mich. “Ich hatte echt nicht vor mich wie ein Idiot zu benehmen.” Zerknirscht warf er mir einen Seitenblick zu und wandte den Blick dann aufs Meer. “Manchmal kann ich ein echter Arsch sein we...- jedenfalls tut es mir echt leid. Verzeihst du mir?” Mit ernstem Gesichtsausdruck schaute er mich an. Nachdem ich nach einer Weile immer noch nicht antwortete, verzog er seine Lippen zu einem Schmollmund und schaute mich mit Welpenblick an. Daraufhin konnte ich nur meine Augen verdrehen und streckte ihm dafür die Zunge raus. Als er mein Grinsen daraufhin sah, rief er ein langgezogenes “Danke” aus und umarmte mich stürmisch. Eine unglaubliche Wärme schien von seinem Körper auszugehen. Sie umhüllte mich, pulsierte und erfüllte mich mit nie gekannter Energie. Ganz plötzlich fühlte ich mich stark, glücklich, unbesiegbar. Als er die Umarmung so plötzlich wieder auflöste,schmerzte die darauffolgende Kälte und die Leere nur noch mehr. Ich hatte mich geborgen und sicher gefühlt. Doch jetzt war mir eiskalt und das Glücksgefühl verschwand ebenso. Außerdem vermisste ich seinen Geruch. Eine Mischung aus Meer, frischer Luft und Piniennadeln. Ich wollte mich so gern nochmal an ihn schmiegen, wandte  mich stattdessen,leicht ab und versuchte den stechenden Schmerz in meiner Brust zu ignorieren. Jacob neben mir räusperte sich nervös und murmelte eine leise Entschuldigung. Vermutlich dachte er das mir die Umarmung unangenehm war. Ich dachte darüber nach, ihn über meine Gefühlslage aufzuklären, doch dann beschloss ich das es wohl keine so gute Idee wäre ihm von dem Glücksgefühl und der Geborgenheit zu erzählen. Erstens hatten wir uns gerade erst getroffen und zweitens hatte er sich davor echt wie ein Idiot benommen. Wie hatte ich ihm vorher überhaupt verzeihen können? Klar jeder, hatte mal Gefühlsschwankungen, aber das hieß ja nicht, das man jeden gleich vor den Kopf stoßen sollte. Verwirrt schüttelte ich den Kopf. Um die unangenehm Situation zu entschärfen sagte ich das erste das mir einfiel. “Also vorhin als du mitten im Satz inne gehalten hast. Was genau meintest du? Wenn…? Wenn was?” Gar keine mal so schlechte Frage. Naja, sie lenkte zwar nicht ganz vom Thema ab, aber so war das nunmal wenn man chronisches “Ich muss alles wissen und verstehen” hat. Unsicher ließ er seinen Blick schweifen und gerade als er ansetzten wollen, ertönte ein lauter Knall in der Ferne, gefolgt von einem bunten Lichtblitz. Weitere folgten. Das Feuerwerk schien endlich begonnen zu haben. Toller Zeitpunkt. Aufatmend lächelte er mich entspannt an und reichte mir dann eine Bierflasche vom Jeep. Kopfschüttelnd wollte ich ablehnen, doch seine Augen leuchteten so intensiv und freundlich, dass ich es einfach nicht konnte. Ich hatte noch nie ein großes Interesse daran gehabt Alkohol zu trinken oder zu Partys zu gehen mit der Schlussfolgerung sich danach irgendwo zu übergeben und sich am nächsten Tag beschissen zu fühlen. Nur ein, zweimal hatte ich mich dazu überwunden an Sekt zu nippen. Und auch das nur für den guten Segen ins Neujahr. Daher schnüffelte ich skeptisch an dem Gebräu und nahm dann einen kleinen Schluck. Während ich zu entscheiden versuchte, ob ich es mochte oder nicht, beobachtet ich die funkelnden Licht-Meisterwerke im Himmel. Aufblühende Blumen, wie ich sie als Kind immer genannt hatte. Auch heute noch erschienen sie mir wie Blumen, die aus dem Boden wuchsen, erblühten,nur um dann wieder zu verblühen, wobei die einzelnen Blüten hinab fielen, wie fallende Sterne. Fasziniert betrachtet ich das Schauspiel. Es zog mich wie magisch in den Bann und erzeugte in mir kleine Funken des Glücks. Lange schon hatte ich einen Moment wie diesen vermisst. Darum lächelte ich leicht in mich hinein und nippte weiter an dem Bier. Nach nur wenigen Minuten war ich mit dem ersten fertig, ohne richtig mitbekommen zu haben, ob es nun richtig gut oder schlecht schmeckte. Die anderen lachten und betrachteten alles und gaben begeisterte “Ooh”- und “AAh”- Laute von sich. Ich hingegen nahm unbewusst ein weiteres Bier, das mir Jacob reichte und ließ mich von der Schönheit einhüllen. Irgendwann war es vorbei. Der Nachthimmel blieb dunkel und die Umgebung still. “Ich nehme mal an, es hat dir gefallen?”, wollte Jacob mit hochgezogenen Augenbrauen und schiefem Grinsen wissen. Ich konnte nicht anders als zu lächeln. Ohne es wirklich zu wollen schien mein Mund sich trotz allem zu bewegen und die Worte die heraus sprangen, klangen leicht schleppend. Da hatte ich wohl doch recht viel getrunken. Dies bestätigte auch mein Blick ins Gras, in dem zwei bereits leere Flaschen lagen, eine weitere befand sich in meiner Hand. “Findest du nicht, dass Feuerwerke toll sind?” Laut ausgesprochen dauerte es eine gefühlte Ewigkeit bis die Worte gesagt waren. Hicks. Jetzt wurde mir auch noch leicht schwindelig. Aber mein betrunkenes Ich ließ sich davon nicht aufhalten und brabbelte mit leicht lallender Stimme weiter. “Findest du nicht?” Endete ich und schaute ihn erwartungsvoll grinsend an. Er lächelte nur zurück und nickte mit dem Kopf. Wie toll! Kaum ist man betrunken sind alle deiner Meinung. Zufriedenen und breit grinsend kuschelte ich mich enger an ein unglaubliches weiches und warmes Kissen. Noch nie war ein Kissen so unheimlich kuschelig und bewegte sich dazu noch. Rauf, runter, rauf, runter. Und reden konnte es auch noch! Ach wie toll ist doch das Leben. Glücklich ließ ich mich in den Schlaf tragen und umarmte das Kissen, um ihm zu zeigen was für ein tolles Kissen es doch war.



 

16.3.20 14:28
 
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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mähne (16.3.20 20:47)
Ja, ich schreibe auch, aber es ist im Moment sehr wenig und ich bekomme einfach keinen vernünftigen roten Faden rein.

Ich freue mich schon auf die nächsten zwei

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